8. November 2026 – Novembergedenken
Traumaland
Lesung und Diskussion mit Asal Dardan
16 Uhr im Fürstenwalder Dom

Das Blut nicht wegwischen können, nicht tilgen können, dass es geflossen ist. Die Tat und damit auch die Schuld sichtbar machen, selbst wenn die Täter nie die eigene Hand erhoben haben und die Opfer unsichtbar blieben: An euren Händen klebt Blut. So begründet Asal Dardan die Notwendigkeit des Erinnerns, die Verantwortung der Nachgeborenen. In Traumaland entwirft sie eine neue Topografie Deutschlands, geht auf Spurensuche, zeigt parallele und konträre Erfahrungen in der Einwanderungsgesellschaft auf. Die Vergangenheit ragt schmerzlich in unsere Gegenwart hinein, die Naziverbrechen finden heute ein grausames Echo in rassistischen Gewalttaten, aber auch in den traumatischen Erfahrungen von Minderheiten. Wer macht die deutsche Geschichte? Welche Erinnerungen werden erzählt, welche bleiben ungehört? Asal Dardan konfrontiert festgefahrene Erinnerungsdiskurse mit ihrer Suche nach Verbindungen in der Hoffnung auf ein gemeinsames Erinnern, in dem verschiedene Realitäten Platz finden.
Asal Dardan, geboren 1978 in Teheran, wuchs in Köln, Bonn und Aberdeen auf. Sie studierte Kulturwissenschaften in Hildesheim und Nahoststudien in Lund und lebt heute in Berlin.
Moderation: Tanja Tricarico, Geschichte hat Zukunft – Neuendorf im Sande e.V.
Anschließend: Gebet und Lichterweg Ge(h)denken ab 18 Uhr
Endpunkt am jüdischen Friedhof
Wir laden ein gemeinsam mit der EKD Fürstenwalde (Spree)
Eintritt frei, Spenden erbeten
9. November 2026
Albrecht Weinberg: Es ist immer in meinem Kopf
Film und Gespräch
18 Uhr im Filmtheater Union, Fürstenwalde

Albrecht Weinberg war in Hangelsberg zur Zwangsarbeit im Forsteinsatz. Von dort aus wurde er im April 1943 nach Auschwitz deportiert – im gleichen Güterzug, dem sogenannten „37. Osttransport“, wie auch die letzten jüdischen Bewohner*innen des Landwerks Neuendorf, darunter Esther Bejarano, Clara Grunwald und Jutta Baumwol.
Albrecht Weinberg überlebt. Sechzig Jahre nach dem Exil in Amerika kehrt er in seine alte Heimat Ostfriesland zurück. Nicht, weil er Deutschland noch einmal sehen will, sondern weil er fast blind ist und auf Hilfe angewiesen ist. In Leer kommt er am vermeintlichen Ende seines Lebens an — und findet dort einen Neubeginn an der Seite von Gerda Dänekas, einst seine Pflegerin, nun seine Freundin und Mitbewohnerin. Und Albrecht beginnt zu erzählen: von seinem Leben, von dem, was bleibt, wenn alles verloren ging. Albrecht trägt das Grauen in seinem Kopf und im Herzen ein kindliches Vertrauen gegenüber den Menschen, die ihm begegnen. Zugewandt, liebevoll, immer neugierig und offen. Selbst ein ehemaliger Wehrmachtssoldat, der ihm begegnet, kann daran nichts ändern. Albrecht weint, er lacht, er fährt mit dem Leeraner Bürgermeister Karussell und erinnert sich an jedes Detail einer Vergangenheit, die nicht vergehen darf. Bis zuletzt bleibt seine größte Angst das Vergessen. Albrecht Weinberg starb am 12. Mai im Alter von 101 Jahren.
Einführung: Bernd Pickert, Geschichte hat Zukunft – Neuendorf im Sande e.V.
Im Anschluss: Kleiner Lichterweg
Eintritt: Kinopreise
